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Zwei Wochen Kapstadt — und ein Türschild in Stellenbosch

Urlaub, kein Rechercheplan. Trotzdem: Afrikas Tech-Finanzierung ist 2025 um ein Viertel gewachsen, Südafrika liegt bei den Eigenkapitalrunden vorn — und in Stellenbosch hängt ein Schild, auf dem beinahe der Name meiner eigenen Firma steht.

Ich war im Urlaub. Zwei Wochen Kapstadt und Stellenbosch, kein Rechercheplan, keine Termine, die diesen Namen verdient hätten. Man kann trotzdem nicht abschalten, was man beruflich sieht — und was man dort sieht, ist eine erstaunliche Dichte an Leuten, die etwas bauen. Coworking-Etagen in der Bree Street, an denen ein Fintech neben einem Agritech neben einer Klima-Sensorik sitzt. Und auffällig viele Leute, die gerade nicht gründen, sondern einen Fonds auflegen.

Das ist der Teil, der mich beschäftigt hat. Nicht die Startups — die gibt es überall. Sondern dass sich daneben das Kapital organisiert.

Die Zahlen dazu

+41 %Wachstum der Eigenkapital-Finanzierung südafrikanischer Tech-Startups 2025 gegenüber 2024, auf 643 Mio. US-Dollar in 85 Runden. Damit lag Südafrika 2025 bei Eigenkapitalvolumen und Rundenzahl vor allen anderen afrikanischen Märkten.Partech Africa, „2025 Africa Tech Venture Capital“

Für den Kontinent insgesamt zählt derselbe Bericht rund 4,1 Milliarden US-Dollar aus Eigen- und Fremdkapital über 570 Runden — ein Plus von etwa 25 Prozent gegenüber 3,25 Milliarden im Jahr 2024, und das beste Jahr seit 2022. Europa steht im selben Zeitraum still: Atomico schätzt die Risikokapital-Investitionen für 2025 auf rund 44 Milliarden US-Dollar, im Wesentlichen unverändert gegenüber dem Vorjahr und seit 2023 seitwärts.

Risikokapital in Tech, 2025
012.50025.00037.50050.000EuropaAfrika
Datentabelle
 Investitionen 2025
Europa44.000 Mio. US-$
Afrika4.100 Mio. US-$

Werte in Millionen US-Dollar. Die beiden Zahlen stammen aus verschiedenen Berichten mit verschiedenen Methoden — die afrikanische enthält Fremdkapital, das 2025 einen Rekordanteil ausmachte. Sie taugen für die Größenordnung, nicht für die Nachkommastelle.

Quelle Afrika: Partech Africa, „2025 Africa Tech Venture Capital“ (Eigen- und Fremdkapital, 570 Runden). Europa: Atomico, „State of European Tech 2025“ (Prognose für das Gesamtjahr).

Diese Grafik ist der ehrlichste Teil des Textes, und sie sagt das Gegenteil dessen, was Reiseeuphorie normalerweise produziert: Der gesamte afrikanische Kontinent bewegt etwa ein Zehntel dessen, was Europa bewegt. Wer aus Kapstadt zurückkommt und „das nächste Silicon Valley" sagt, hat die Achse nicht angeschaut.

Wachstum aus kleiner Basis ist leicht. Stillstand auf großer Basis ist teuer. Beides ist wahr, und nur eines davon fühlt sich vor Ort an wie Zukunft.

Der Unterschied ist nicht die Größe. Der Unterschied ist die Richtung — und die Stimmung, die daran hängt. In München diskutieren wir seit drei Jahren, warum es schwerer wird. In Kapstadt diskutiert man, wer als Nächstes einen Fonds aufmacht.

Stellenbosch

Vierzig Autominuten landeinwärts, zwischen Weinbergen und Bergrücken, liegt eine Universitätsstadt mit einer Gründerdichte, die man ihr von außen nicht ansieht. Der LaunchLab der Universität Stellenbosch, 2015 gestartet, hat nach eigenen Angaben über 400 Ventures begleitet, die zusammen mehr als eine Milliarde Rand Umsatz erwirtschaftet und rund 971 Millionen Rand an Investitionen eingesammelt haben. Die Universität betreibt dazu einen eigenen Technologiefonds — und arbeitet an einem zweiten.

Das Türschild

Und dann, in der Ryneveld Street mitten in Stellenbosch, ein Schild: Baleine Capital.

Erste Etage, Andmar Building, Nummer 7 — so steht die Adresse auch im Firmenverzeichnis von Dun & Bradstreet. Und was dort sonst steht, ist der eigentliche Witz: einsortiert unter Nondepository Credit Intermediation, Unterzeile personal credit institutions. Also kein Wagniskapital. Kreditgeschäft. Mitarbeiterzahl, Umsatz und Gründungsjahr führt D&B nur als Modellwerte hinter der Bezahlschranke; eine Registerabfrage nennt zusätzlich eine Eintragung aus dem Juli 2003. Belastbar öffentlich ist von den Zahlen also nichts, und deshalb steht hier auch keine.

Ich hatte, ehrlich gesagt, einen Fonds erwartet. „Capital" im Namen, Stellenbosch, zwei Straßen weiter eine Universität mit eigenem Technologiefonds — den Rest ergänzt der Kopf von allein. Das ist genau der Fehler, vor dem die Grafik weiter oben warnt, nur eine Schuhgröße kleiner.

Meine Firma heißt Balane. Nicht nach einem Tier, sondern nach der Balanstraße in München, in der sie sitzt — eine denkbar unromantische Herkunft. Baleine dagegen ist französisch und heißt schlicht: Wal. Und die Ryneveld Street liegt eine knappe Autostunde von einer Küste entfernt, an der von Juni bis November Südkapern durchziehen, gut neuntausend Kilometer südlich der Balanstraße.

Zwei Namen, die man am Telefon nicht auseinanderhält, an zwei Straßen, elf Flugstunden und null Stunden Zeitverschiebung auseinander. Einer nach einer Münchner Ausfallstraße, einer — vermutlich — nach dem, was am Ende der anderen vorbeischwimmt.

Ich habe das für einen Zufall gehalten, was es natürlich auch ist. Aber es passt gut zu dem, wofür AGULHAS.ONE steht: Die Verbindung zwischen europäischer und afrikanischer Technologie ist nicht der Fall, weil jemand sie beschlossen hätte. Sie ist der Fall, weil an beiden Enden dieselben Dinge gebaut werden, mit ähnlichem Vokabular, gelegentlich unter fast identischen Namen — nur redet zu selten jemand darüber.

Nächstes Mal klingle ich.